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Die hohe Kunst
der Feuerwerkerei




Ursprünge und Entwicklungen

Die Entwicklung der Pyrotechnik („Kunst vom Feuer“) begann mit der Erfindung des Schwarzpulvers, das auch heute noch wesentlicher Bestandteil eines jeden Feuerwerks ist. Das erste deutsche Feuerwerksbuch ist datiert von 1420 und wurde in Freiburg verfaßt, dem Zentrum für die Entwicklung von Feuerwaffen und die Ausbildung von Kanonieren im 14. und 15. Jahrhundert.

Europa

Die Kenntnis über die Herstellung von Feuerwerkskörpern kam vermutlich aus dem fernen Osten nach Europa. Die ersten Feuerwerke wurden in Italien abgebrannt, meist zu religiösen Anlässen um 1500. Hochburgen waren zu jener Zeit Florenz und Bologna. In England gab es nur selten Feuerwerke vor dem 17. Jahrhundert und wenn, wurden sie meist von italienischen oder französischen Feuerwerkern ausgeführt, die europaweit als Meister ihres Fachs galten. Der berühmteste Vertreter des „Italienischen Stils“ in der Feuerwerkerei war die Ruggieri-Familie aus Bologna, die übrigens heute noch in der x-ten Generation von Frankreich aus Feuerwerke weltweit durchführt.

Neben dem „Italien Style“ gab es den „Northern Style“, der, man glaubt es kaum, in Nürnberg zuhause war (Hoch, Müller, Clarmer, Miller). Diese beiden Stile vermischten sich im Laufe der Zeit zu einem europäischen Stil. In der Folge nahmen Anzahl und Größe der Feuerwerke im Barock und Rokoko (ca. 1600 – 1770) stark zu. Vor allem die französischen Könige veranstalteten prunkvolle Feuerwerke zu Geburtstagen, Hochzeiten und sonstigen Anlässen.

Zur Feier anläßlich des Friedens von Aachen in London`s Green Park am 26.April 1749 sollte das größte und teuerste Feuerwerk aller Zeiten abgebrannt werden. Georg Friedrich Händel wurde mit der „Feuerwerksmusik“ beauftragt. Namhafte Feuerwerker waren 6 Monate lang mit der Vorbereitung beschäftigt. Ein Streit zwischen englischen und italienischen Feuerwerkern führte jedoch zu einer gewaltigen Explosion und zur Zerstörung eines Pavillons. Nachdem die Flammen unter Kontrolle waren wurde das restliche Feuerwerk abgebrannt, aber eher unspektakulär und zum Gelächter des Publikums – für lange Zeit war dies das letzte große Feuerwerk in England.

Japan

Hier fand das erste schriftlich erwähnte Feuerwerk 1585 statt, allerdings mit Material (meist Fontänen) aus England bzw. China. Die japanischen Feuerwerker gelten als die besten der Welt. Die Ausbildung dauert mehr als 10 Jahre. Die Feuerwerkerei wird sehr spirituell betrieben, ja hat sogar zum Teil religiösen Charakter. Die in Japan hergestellten Feuerwerkskörper und Effekte sind von makelloser Schönheit in ihren Farben und den geometrischen Formen; sie unterliegen einem Exportverbot. Der bekannteste Feuerwerksclan in Japan ist wohl die Firma Ogatsu, die in der 13. Generation seit fast 400 Jahren gigantische Spektakel weltweit inszeniert. Beispiel Tokio 1980: hier wurden für 1,6 Millionen DM bei einer Vorbereitungszeit von 3 Monaten am Ende von 60 Pyrotechnikern 20.000 Feuerwerkskörper in einer Stunde hochgejagt.

China

Hier gab es die ersten Feuerwerke ab circa 1630 (überliefert). Allerdings ist auch von „Feuerbäumen“ bereits in der Tang-Dynastie (7. bis 10. Jahrhundert) die Rede, denen als Füllung Schwarzpulver zugrunde gelegen haben soll. Zahlreiche Reisende berichteten im 17.Jahrhundert von großen Feuerwerken. In China sind vermutlich die ersten Raketen gebaut worden und zwar ausschließlich zu Vergnügungszwecken. Allgemein kann davon ausgegangen werden, daß die Feuerwerkerei in China über viele Jahrhunderte unverändert blieb. Wohl auch aufgrund der riesigen Entfernungen zu Europa ist über die frühe chinesische Feuerwerkskunst nicht allzuviel bekannt. Verwendet wurden meist Hülsen aus Bambusrohr mit funkenbildenden Sprühfüllungen aus Schwarzpulver und Eisenspänen bzw. grober Holzkohle

Feuerwerkerei im Wandel

Die frühen Feuerwerke bestanden meist aus sprühenden Fontänen, die zu allerlei Figuren oder großen statischen Bildern (180x30 m) zusammengebaut wurden. Der Fortschritt der Naturwissenschaften und ein verbessertes chemisches Verständnis bereicherten ab dem beginnenden 19. Jahrhundert die Pyrotechnik um viele neue Effekte und Farben.

Bereits 1812 wurden von Ruggieri die ersten Feuerwerksbomben beschrieben, die jedoch erst ca. um 1900 Einzug in der Feuerwerkerei halten sollten. Bis dahin waren nach wie vor Fontänen, Lichterbilder und Funkencascaden üblicher Hauptbestandteil von Feuerwerken. Die Einführung der Chlorate um 1880 (industrielle Herstellung) ermöglichte fortan die Erzeugung von bunten, farbigen Flammen bzw. Effekten. Mit den Chloraten zog auch in China und Japan die moderne Feuerwerkerei ein.

Rekorde

Am 6.Oktober 1980 zündete die Firma Ogatsu eine Feuerwerksbombe mit dem Kaliber 930 mm aus einem eingegrabenen Rohr. Die Bombe stieg 915 m hoch bei 250 Kilogramm Gewicht und zerlegte am höchsten Punkt ihrer Bahn zu einem Effektbild von 620 m Durchmesser. Prompt folgte die amerikanische Firma Grucci mit dem Kaliber 1020 mm und 326 Kilogramm Gewicht. Der 1. Versuch endete mit einer Explosion am Boden, der Krater war drei Meter tief. Der 2.Versuch endete in 30 m Höhe – 600 Fensterscheiben gingen zu Bruch. Für den 1.Versuch gab es einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde, für das „tiefste Feuerwerk der Welt“!

Die Feuerwerkskunst / Tradition und Moderne

Heute stehen dem Feuerwerker zigtausend verschiedene Effekte und Kaliber zur Verfügung, die natürlich sinnvoll zusammengestellt das heißt choreographiert werden müssen, um überhaupt ein beeindruckendes Feuerwerk zu schaffen. Modernste Zündanlagen im High-Tech-Format, glasfaserverstärkte Abschußrohre und effiziente Hilfsmittel und Werkzeuge sind heutzutage gang und gäbe.

Dies bedeutet jedoch nicht, daß die Tradition in der Feuerwerkerei keine Rolle mehr spielen würde. Im Gegenteil: jeder fähige Feuerwerker ist sich bewußt darüber, welche altüberlieferte Kunstform er mit jedem Feuerwerk auf`s Neue zelebriert.